F E A R

Die Corona-Pandemie ist noch nicht für beendet erklärt, wenigstens nicht hierzulande, da grassiert schon ein weiteres, nicht unbekanntes, aber trotzdem verstörendes Virus.

Das Virus heißt Angst und scheint wie bescheuert um sich zu greifen. Es verbreitet sich rasant.

Angst vor dem Krieg, vor Atomkatastrophen, vor neuen Regierungen, vor Armut, steigenden Preisen, Verbrechen, Energienotständen, Angst vor dem Alleinsein, vor Veränderungen, Ausländern und Minderheiten, dem Klimawandel und vielem mehr. Übertragen wird es vorwiegend durch Nachrichten aus dem gesamten Medienbereich, aber auch verbal, von Mensch zu Mensch, via Gesprächen.

Es macht übrigens keinen Spaß, Angst zu haben, genau so wenig wie Nachrichten zu hören, zu lesen oder zu sehen. Sie blockiert das sowieso geschwächte Denkvermögen, stiftet Verwirrung und Unruhe und zerstört das hart erkämpfte Gleichgewicht aus mentaler, seelischer und körperlicher Gesundheit.

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Der heutige Ausflug zum Bielefelder IKEA veranschaulicht in meinen Augen nicht nur den Wahnsinn, sondern auch die Widerlichkeit unserer habgierigen Gesellschaft. Je größer eine Stadt, desto unsozialer die „Menschen“ darin. Egoistisches, trampeliges und respektloses Verhalten, wo man geht und steht. Abfällige Bemerkungen direkt hinter einem, wenn man nicht sofort spurt, wenn es um das Einreihen in die Kassenschlange geht, weil man noch auf jemanden wartet. Auf das Wort „man“ möchte ich übrigens bald auch verzichten, weil es so dumm verallgemeinernd ist.

Zwanzigtausend Autos auf den Parkplätzen, knallende Autotüren, hustende Menschen, röhrende Motoren, hektisches Hin und Her.

Blöde Leute, die über andere lachen und deren Verhaltensweisen kommentieren.

Der heutige Ausflug zum Bielefelder IKEA war der letzte meines pieseligen Lebens und auch überhaupt allgemein der Besuch von Geschäften wie diesen. Das ist doch alles eine riesige Gaunerei, ist das, wenn ihr mich fragt.

Dr. Diesel hat mich stets gefragt in unseren Gesprächsterminen, wie ich mich in der „bösen Welt dadraußen“ so zurecht finden würde. Das war vor vier Jahren ungefähr und: bis heute nicht besonders gut, um ehrlich zu sein. Dr. Diesel wird nun Chefarzt von der gesamten Dingsdabumsda Klinik und in ungefähr zwei Jahren wird er in den Ruhestand gehen. Auf keinen Fall will ich in diesem Fall wieder jemals krank werden, denn ein weiterer Aufenthalt in der Dingsdabumsda Klinik ohne Dr. Diesel ist für mich einfach nicht erstrebenswert. So.

Es gibt einfach keine Villa Kunterbunt mit ganz viel Harmonie und Frieden und so weiter.

Liebe Gemeinde

Vom Wesen der Alltagsvegetation, die mich total fertig macht und meine schwindende Gehirnsubstanz dazu bewegt, Gedanken an die Eintönigkeit des Lebens zu entwerfen.

Die „Struktur“ meiner gesamten Tagesabläufe ist so dermaßen festgefahren, das fühlt sich schon peinlich an. Ordnung und so was alles, Dinge, die ein System haben, Pläne etc. haben mir immer ein Gefühl von Sicherheit gegeben. Immer genau zu wissen, was als nächstes passiert. Obwohl ich natürlich keine Hellseherin bin.

Aber wenn ich wirklich darüber nachdenke, befinde ich mich eigentlich in einem großen Hamsterrad. Jeden Tag früh raus, Kaffee, anziehen, Rucksack packen, rauchen, kotzen von der Übelkeit der Zigarette, scheißen, Zähne putzen, Bushaltestelle und dann ab. An der riesigen Sparkassenzentrale aussteigen, zehn Minuten Fußweg durch die gleiche Zone der Stadt, Menschen doof finden, die mir begegnen, Blicke hier und da.

Wenn ich dann ankomme, arbeite ich meine Zeit ab, 1 x stündlich rauchen. Wenigstens.

Ja, und dann gehe und fahre ich irgendwann wieder nach Hause, nachdem ich mich bestimmt schon zwanzig Mal über irgendetwas geärgert habe (blöde Kassiererin, miese Radiosongs, Produktionspfusch auf der Arbeit, schlendernde Schnarchnasen, ordinäre Ausdrucksweisen, Kicker-Niederlagen usw.) und bin auch nicht gut drauf zu Hause.

Kaffee, rauchen, schwimmen im Pool, Crosstraining, duschen.

Das ist Leiden auf hohem Niveau, würden manche jetzt sagen. Freu dich doch, dass es dir so gut geht.

But my soul, for real, is crying about this, weil ich meine wirklichen Herzenswünsche und meine geistigen Fähigkeiten, die ich mal hatte, total verkümmern lasse irgendwie, wie ich einfach versuche, mich der Gesellschaft anzupassen, zu funktionieren, Leistung zu erbringen und nebenbei meinen Körper zu trainieren.

Das fühlt sich distopisch an für mich. Mein Künstlerherz verwelkt auf eine brutale Art und Weise. Ich fühle mich wie ein Schwachkopf, den Anweisungen einer Industrie folgend, die den Menschen miese, vornehmlich materialistische Werte vermittelt. Oberflächlichkeiten, Leistungsdruck, Konsum, Streben nach Erfolg. Ich glaube auch nicht an die Gleichberechtigung.

So. Dies ist mein miesepetriges Wort zum Freitag. Wochenende ist scheiße und ich hasse die Welt.

SUM UP LAZINESS

Ich würde gerne mehr von meiner Liste abarbeiten, was ich mir als Blog-Artikel sozusagen vorgenommen habe, aber manchmal bin ich einfach nicht in Stimmung dazu, bestimmte Dinge zu schreiben. Zum Beispiel wollte ich einen Eintrag über Keanu Reeves, den alten Homofürsten, schreiben und über die Verherrlichung von Selbstjustiz von in ihrer Ehre verletzten Männern in Filmen und über die Leichenfledderei in Diablo III, die ich irgendwie pervers toll finde, und über die Abwechslung und Vielfalt, die südländische Friseurläden jetzt auf einmal in deutschen Städten hervorrufen, seitdem der Beruf des Haarstylisten nicht mehr als Frauendomäne stigmatisiert werden kann, was ich total gut finde.

Ich wollte auch über die Bedeutung mehrfachen Filmschauens schreiben, was viele Filme auf den 2. Blick erst erkennbar gut oder schlecht machen kann meiner Meinung nach, und über die Nerdigkeit von IMDB-Bewertungen, die so mainstreamig sind wie die ganze, langweilige Gesellschaft auch. Nun ja.

Eine Sache fehlt jetzt noch, über eine weitere werde ich tatsächlich mal ernsthaft etwas Wichtiges verfassen (The Alco Hole), und zwar fehlt jetzt noch diese witzige Begebenheit, die mir aufgefallen ist: Sowohl „Unknown Identity“ als auch „Buffalo Soldiers“ spielen als amerikanische Produktionen in Deutschland und in beiden Filmen gehen die männlichen Protagonisten (Liam Neeson und J. Phoenix, mein Gott, wie schreibt man bloß diesen Vornamen) in weiblicher Begleitung in eine deutsche Discothek, wo dann lustigerweise beide Male „Blue Monday“ von New Order läuft. Lustig, oder?

Na ja, zu dem Homofürsten Keanu Reeves werde ich vielleicht auch irgendwann noch mal konkreter. Bis dahin müsst ihr gespannt verbleiben, liebe wissbegierige Leser.

Happy New Year.

Geschichten aus dem Hartz

Liebe wohltuende Gemeinde,

Gott verdammt, ich habe einfach keine beschissene Ahnung, wie man so eine tolle Predigt schreiben sollte, ehrlich mal, und ich kann mich auch kaum wohl so irgendwelcher romantischer Ausdrucksformen bedienen, die euch, aus aktuellem Anlass vielleicht, an weihnachtliche Kirchgänge erinnern könnten. So bin ich halt nicht. Romantik ist doch bloß eine geheuchelte Idiotie und nur was für Zartbesaitete, Weichgekochte, Träumer und Schöngeister unter allen Verlorenen da draußen, wenn ihr mich fragt – und sie untergräbt jede denkbare Form der Realität eiskalt. Bamm. Das knalle ich euch jetzt so vor den Kopf und das als jemand, der eigentlich selbst danach strebt wie so ein hoffnungsloser Blumenfreund namens Ferdinand zum Beispiel. Ich bin übrigens auch Stier, haha.

Die Welt ist grausam – und schön – zu gleichen Teilen.

Aber darum geht es nicht. Es geht diesmal um das pure Leben an sich und damit will ich meinem Blog-Untertitel halt mal ausnahmsweise etwas gerechter werden. Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir bin, ja, dann halte ich mich mit Informationen aus meinem eigenen Leben über Gesundheit, Job, Familie und Freunde ja oft ziemlich arg zurück hier. Das hat auch seine Gründe. Aber daran will ich heute etwas ändern und mir damit anmaßen, zu einem winzigen, dezenten Sprachrohr für einen Bruchteil unserer Gesellschaft zu werden, der so stigmatisiert – gebrandmarkt – und verachtet wird wie kaum ein anderer neben ehemals Schwulen, Lesben, Transsexuellen oder Nutten, und der weiß Gott nur stinkend auf seinem Sofa sitzt.

Also, richtig geraten, es geht um die Arbeitslosengeld-2-Beziehenden in Deutschland, unserm tollen, ehrwürdigen Land (was wirklich große Vorzüge hat und ich bin dankbar, wirklich), anders gesagt um die Hartz-4-Empfänger unserer Nation, zu denen ich mich selbst zähle, verdammt. Ja, ich gehe nämlich keiner beschissenen Tätigkeit nach, die unserer Wirtschaft finanziell irgendwie dienlich sein könnte. (Finanziell). Stattdessen setze ich auch noch auf die Unterstützung des Staates selbst, um damit meinen Unterhalt bestreiten zu können, und lebe sozusagen auf Kosten anderer, stärkerer Individuen da draußen, weil ich mich selbst auf den Stapel der schwächeren packen würde. So ist das.

Und im facettenreichen Angesicht der Tatsachen, von angehenden Möchtegern-Bundeswehroffizieren als Sozialschmarotzer beschimpft zu werden, die es nicht mal schaffen, ihr Abitur voll zu machen, schreibe ich nun über diese kleine, einsame Schwäche.

Mit dieser Schwäche nämlich, die mir das Arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt beinahe so gut wie unmöglich macht in meinem Normalzustand, gehen meine emotionale Instabilität, meine psychotischen Auseinandersetzungen, meine Persönlichkeitsstörung und mein starkes Bedürfnis nach Rückzug, Ruhe und Besinnlichkeit einher, was viele auch als Müßigkeit bezeichnen würden – und Karl Heinz Erzkonservativ hat schon einen passenden Spruch parat über aller Laster Anfang. Das mag auch wohl so sein, für viele. Für andere kann Ruhe und Rückzug aber auch eine neu gewonnene Form der Mentalität bedeuten und damit bis in einen spirituellen Glaubensansatz hineinführen, den es wirklich gilt, auszuprobieren, wenn du irgendwann merkst, dass dich der Druck der Gesellschaft anfängt auszusaugen bis auf den letzten erbärmlichen Tropfen Blut in deinem armen, geschundenen Körper.

Müßigkeit bedeutet auch Zeit und Zeit ist die pure Konzentration auf sich selbst und das ist das wichtigste im Leben zu lernen, sich selbst in seiner freien Zeit wertzuschätzen und liebevoll mit sich umzugehen. Davon kann ich noch keine Lieder singen, aber zumindest bin ich dabei, zu erfahren, was ich für eine gute Lebensweise brauche. Das sind so viele Dinge, die so sehr ins Detail gehen, dass ich euch nicht damit langweilen will. Sport gehört auf jeden Fall dazu.

Mein Dasein als Hartz-4-Empfängerin seit meiner potenziellen Erwerbsfähigkeit ist auch gezeichnet von entwertenden Reaktionen und Angriffen auf meine Persönlichkeit: Wie, was machst du mit dem ganzen vielen Geld? fragt irgendsoeine unreflektierende Arbeitskollegin mehr als entrüstet, als ich ihr von dem Regelsatz erzähle. Was am Ende abzüglich aller laufenden Kosten davon übrig bleibt, ist ein Hauch von Nichts und manchmal sogar noch weniger, nämlich nur noch ein ausgekotzter Haufen von Scheiße. Davon ahnt sie aber nichts, weil Rechnen ist nicht so ihre Stärke und die Sendungen über Frauentausch findet sie sowieso viel geiler und aussagekräftiger als die Worte eines wirklichen Gegenübers.

Die Liste meiner Wünsche von unrealisierbaren, da schlichtweg unbezahlbaren Gegenständen wird immer länger. Obwohl ich von Weihnachten, wie es von der kommerziellen Marktwirtschaft einfach nur zerstört wird, auch nicht besonders viel halte, ist es schon irgendwie ernüchternd, nicht ein beschissenes Geschenk besorgen zu können zum ersten Mal in meinem Leben, was daran liegt, dass ich am Existenzminimum angelangt bin und die paar Reserven, die ich bislang immer hatte, nicht zuletzt wegen meiner Psychose letztes Jahr aufgebraucht sind. Ich hab mir zum Beispiel dieses und letztes Jahr Urlaub und den Ausbau eines Gästezimmers bei meinen Eltern für schlechte Zeiten genehmigt, also zwei für mich sehr gesundheitsrelevante Dinge.

Nun aber zu dem ursprünglichen Anlass meines wehklagenden, fast nicht erträglichen Blogeintrags: Damit ich ab Januar 2018 Geld vom Jobcenter bekomme, muss ich bis zum 29.12.17 eine Heiz- und Nebenkostenabrechnung vom Jahr 2016 dort einreichen. Das ist das erste Mal in 7 Jahren, dass das erforderlich sein soll. Seit 7 Jahren wohne ich in der gleichen, erbärmlichen Wohnung, die ungefähr 32 qm misst und heftige 250€ Warmmiete im Monat verlangt, davon 60 mickrige Euro Nebenkosten. Nicht mal ein Scheiß-WG-Zimmer in Berlin ist so billig wie meine Ranzbude, die ja eigentlich doch sehr gepflegt und sauber ist, nur, die umliegenden Verhältnisse wie Hausflur und Hof sind es leider nicht. Wie auch immer. Damit das Jobcenter also prüfen kann, wie viel Geld von den Nebenkosten es stattdessen noch einbehalten darf wegen der vom Mieter eigentlich selbst zu tragenden Warmwasserkosten, wirft es mich dieser Tage in ein solches beunruhigendes Unterfangen. Bei einer, wohlgemerkt, Nebenkostenpauschale von 60€, für die ich in 7 Jahren nicht eine einzige beschissene Abrechnung bekommen habe.

Nun ja, dann tu das doch einfach und heul nicht rum, denkst du vielleicht. Der Punkt ist aber der: Mein Leistungsanspruch wird weiterhin nicht bearbeitet, solange das Dokument nicht vorliegt. Das bedeutet, gesetz dem Fall, ich würde es auch nur bis zum 29. schaffen, das Ding dort einzureichen, muss ich sowieso und bestenfalls einen Monat lang über warten, damit das Amt das Geld bezahlt. Das bedeutet, dass ich im Januar kein pünktlich Geld bekomme und im Dezember eh schon lange Flaute ist.

Grund dafür ist halt auch das unkooperative Verhalten meines Vermieters, was eine zeitige Beschaffung dieser Unterlagen wirklich unmöglich macht.

Dies sind also meine Geschichten und Wehklagen aus dem Hartz, jaja, die trivialen Leiden der jungen Arbeitslosen.

In diesem Sinne wünsche ich allen faulen, stinkenden Marginalitätsgenossen da draußen frohe, beschissene, äh, besinnliche Weihnachten. Ich zieh mir jetzt erstmal Disintegration rein, completely the album, the pure cure. Das wurde auch zu Weihnachten gebastelt. Thanks, Robert.