Hallo Frau Kassiererin:

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass es den Kunden unter Umständen ziemlich peinlich sein könnte, wenn sie erst an der Kasse nach Kondomen fragen können, wo es alle in der Schlange mitbekommen?

Anstatt die Teile einfach im Laden zu platzieren, greifbar von irgendeinem Regal aus.

Geschwafel

Zurzeit besteht mein kümmerliches Dasein fast nur noch daraus, aus Fenstern zu schauen oder aus sicherer Distanz in die Ferne zu blicken und andere Menschen zu beobachten.

Meine Arbeitskollegen stressen mich manchmal.

Dieses Verhalten mit dem Beobachten ist zu einer richtigen Sucht beziehungsweise einer regelrechten Obsession geworden.

Was ich erwarte? Irgendetwas Aufregendes, Spannendes.

Mir wird vorgeworfen, phlegmatisch zu sein oder dumm, weil ich beim Tischfußball dermaßen hartnäckig das Tor verteidige und blockiere, dass sich die anderen aufregen.

Na ja. Als besonders dumm hab ich mich selbst ehrlich gesagt gar nicht oft empfunden in meinem Leben.

Ich arbeite viel an meiner geistigen und psychischen Ausgeglichenheit, was ich auch sollte, um bei meinem derzeitigen Absetzversuch und Medikamentenwechsel eines Neuroleptikums keine Gefahr eines Rückfalls zuzulassen. Mein Wirklichkeitsempfinden ist mir heilig und wichtig, ein Alltag ohne Einschränkungen durch die Krankheiten auch.

Dann noch ein weiterer Punkt: Aus medizinischer Sicht gelte ich übrigens als (seelisch) behindert. Diese Einstufung wirkt ziemlich degradierend, finde ich. Auch die Betreuungshilfen, die mir zuteil werden, sprechen ausdrücklich von Teilhabe an der Gesellschaft für Menschen mit Behinderung.

Das gefällt mir irgendwie nicht. Ich habe mir das alles nicht ausgesucht und in Wirklichkeit weiß ich, was gut und was schlecht ist, tue mir selbst nichts mehr und anderen und fühle mich zurechnungs- und verantwortungsfähig.

Wie dem auch sei.

Über die Sache mit den Fenstern schreibe ich mal ein Gedicht irgendwann. Ich nenne es dann so:

The Window Woman

Geschichten aus dem Alltag

Gestern hätte ich es fast geschafft, nach langer Zeit mal wieder in aller Öffentlichkeit loszuflennen. Und zwar an der Bushaltestelle. Das lag daran, dass der Bus zwar schon da war, auf den ich wartete, es aber in Strömen regnete und der Busfahrer nichts Besseres zu tun hatte, als fünfzehn Minuten lang die Türe verschlossen zu halten und irgendwie auf seinem Smartphone rumzudödeln.

Das hat mich so gestresst, dass ich fast heulte und ziemlich laut unter meiner Chirurgen-Maske Arschloch sagte, was er aber nicht hören konnte, da die Bustür ja verschlossen war.

Zu diesem zwanghaften Smartphone-Gebrauch von irgendwelchen Leuten könnte ich auch mal was schreiben, aber wann anders und so. Jo.

Finito de la musica

Ich habe beschlossen, dass das Jahr 2021 ein noch besseres als das zuvor werden soll. Damit verheiße ich euch, dass meine Erfahrungen und Erlebnisberichte über Psychosen und und und hiermit ein Ende finden.

Es ist an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich führe ein beschauliches Leben in einem kleinen, unschuldigen Dorf, zusammen mit meinen Eltern. Habe eine tolle, hübsche Bleibe gefunden.

Ich bin kein Monster, nur weil ich in abwegigen, verwirrten Zuständen mit einem Kugelschreiber auf jemanden eingestochen, einen Brand gelegt, Tische und Stühle durch die Gegend geworfen, meinen Vater mit einem großen Küchenmesser bedroht habe oder nackt durch Krankenhausflure gelaufen bin.  

Dafür wurde ich gerichtlich nie belangt wegen der vorübergehenden Unzurechnungsfähigkeit. Das einzige, was mich heute noch beschäftigt, schwer sogar, ist die Frage jeden Morgen nach dem Aufstehen, was ich alles so mit dem neuen Tag anfangen soll. Ich bin noch so jung und will mein Leben genießen.

Aber eines verspreche ich euch: Ich versuche auf jeden Fall, zu meiner alten Form zurückzufinden. Was das Schreiben angeht. So, Love and Peace.

Bis bald.