Geschichten aus dem Hartz

Liebe wohltuende Gemeinde,

Gott verdammt, ich habe einfach keine beschissene Ahnung, wie man so eine tolle Predigt schreiben sollte, ehrlich mal, und ich kann mich auch kaum wohl so irgendwelcher romantischer Ausdrucksformen bedienen, die euch, aus aktuellem Anlass vielleicht, an weihnachtliche Kirchgänge erinnern könnten. So bin ich halt nicht. Romantik ist doch bloß eine geheuchelte Idiotie und nur was für Zartbesaitete, Weichgekochte, Träumer und Schöngeister unter allen Verlorenen da draußen, wenn ihr mich fragt – und sie untergräbt jede denkbare Form der Realität eiskalt. Bamm. Das knalle ich euch jetzt so vor den Kopf und das als jemand, der eigentlich selbst danach strebt wie so ein hoffnungsloser Blumenfreund namens Ferdinand zum Beispiel. Ich bin übrigens auch Stier, haha.

Die Welt ist grausam – und schön – zu gleichen Teilen.

Aber darum geht es nicht. Es geht diesmal um das pure Leben an sich und damit will ich meinem Blog-Untertitel halt mal ausnahmsweise etwas gerechter werden. Wenn ich mal ganz ehrlich zu mir bin, ja, dann halte ich mich mit Informationen aus meinem eigenen Leben über Gesundheit, Job, Familie und Freunde ja oft ziemlich arg zurück hier. Das hat auch seine Gründe. Aber daran will ich heute etwas ändern und mir damit anmaßen, zu einem winzigen, dezenten Sprachrohr für einen Bruchteil unserer Gesellschaft zu werden, der so stigmatisiert – gebrandmarkt – und verachtet wird wie kaum ein anderer neben ehemals Schwulen, Lesben, Transsexuellen oder Nutten, und der weiß Gott nur stinkend auf seinem Sofa sitzt.

Also, richtig geraten, es geht um die Arbeitslosengeld-2-Beziehenden in Deutschland, unserm tollen, ehrwürdigen Land (was wirklich große Vorzüge hat und ich bin dankbar, wirklich), anders gesagt um die Hartz-4-Empfänger unserer Nation, zu denen ich mich selbst zähle, verdammt. Ja, ich gehe nämlich keiner beschissenen Tätigkeit nach, die unserer Wirtschaft finanziell irgendwie dienlich sein könnte. (Finanziell). Stattdessen setze ich auch noch auf die Unterstützung des Staates selbst, um damit meinen Unterhalt bestreiten zu können, und lebe sozusagen auf Kosten anderer, stärkerer Individuen da draußen, weil ich mich selbst auf den Stapel der schwächeren packen würde. So ist das.

Und im facettenreichen Angesicht der Tatsachen, von angehenden Möchtegern-Bundeswehroffizieren als Sozialschmarotzer beschimpft zu werden, die es nicht mal schaffen, ihr Abitur voll zu machen, schreibe ich nun über diese kleine, einsame Schwäche.

Mit dieser Schwäche nämlich, die mir das Arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt beinahe so gut wie unmöglich macht in meinem Normalzustand, gehen meine emotionale Instabilität, meine psychotischen Auseinandersetzungen, meine Persönlichkeitsstörung und mein starkes Bedürfnis nach Rückzug, Ruhe und Besinnlichkeit einher, was viele auch als Müßigkeit bezeichnen würden – und Karl Heinz Erzkonservativ hat schon einen passenden Spruch parat über aller Laster Anfang. Das mag auch wohl so sein, für viele. Für andere kann Ruhe und Rückzug aber auch eine neu gewonnene Form der Mentalität bedeuten und damit bis in einen spirituellen Glaubensansatz hineinführen, den es wirklich gilt, auszuprobieren, wenn du irgendwann merkst, dass dich der Druck der Gesellschaft anfängt auszusaugen bis auf den letzten erbärmlichen Tropfen Blut in deinem armen, geschundenen Körper.

Müßigkeit bedeutet auch Zeit und Zeit ist die pure Konzentration auf sich selbst und das ist das wichtigste im Leben zu lernen, sich selbst in seiner freien Zeit wertzuschätzen und liebevoll mit sich umzugehen. Davon kann ich noch keine Lieder singen, aber zumindest bin ich dabei, zu erfahren, was ich für eine gute Lebensweise brauche. Das sind so viele Dinge, die so sehr ins Detail gehen, dass ich euch nicht damit langweilen will. Sport gehört auf jeden Fall dazu.

Mein Dasein als Hartz-4-Empfängerin seit meiner potenziellen Erwerbsfähigkeit ist auch gezeichnet von entwertenden Reaktionen und Angriffen auf meine Persönlichkeit: Wie, was machst du mit dem ganzen vielen Geld? fragt irgendsoeine unreflektierende Arbeitskollegin mehr als entrüstet, als ich ihr von dem Regelsatz erzähle. Was am Ende abzüglich aller laufenden Kosten davon übrig bleibt, ist ein Hauch von Nichts und manchmal sogar noch weniger, nämlich nur noch ein ausgekotzter Haufen von Scheiße. Davon ahnt sie aber nichts, weil Rechnen ist nicht so ihre Stärke und die Sendungen über Frauentausch findet sie sowieso viel geiler und aussagekräftiger als die Worte eines wirklichen Gegenübers.

Die Liste meiner Wünsche von unrealisierbaren, da schlichtweg unbezahlbaren Gegenständen wird immer länger. Obwohl ich von Weihnachten, wie es von der kommerziellen Marktwirtschaft einfach nur zerstört wird, auch nicht besonders viel halte, ist es schon irgendwie ernüchternd, nicht ein beschissenes Geschenk besorgen zu können zum ersten Mal in meinem Leben, was daran liegt, dass ich am Existenzminimum angelangt bin und die paar Reserven, die ich bislang immer hatte, nicht zuletzt wegen meiner Psychose letztes Jahr aufgebraucht sind. Ich hab mir zum Beispiel dieses und letztes Jahr Urlaub und den Ausbau eines Gästezimmers bei meinen Eltern für schlechte Zeiten genehmigt, also zwei für mich sehr gesundheitsrelevante Dinge.

Nun aber zu dem ursprünglichen Anlass meines wehklagenden, fast nicht erträglichen Blogeintrags: Damit ich ab Januar 2018 Geld vom Jobcenter bekomme, muss ich bis zum 29.12.17 eine Heiz- und Nebenkostenabrechnung vom Jahr 2016 dort einreichen. Das ist das erste Mal in 7 Jahren, dass das erforderlich sein soll. Seit 7 Jahren wohne ich in der gleichen, erbärmlichen Wohnung, die ungefähr 32 qm misst und heftige 250€ Warmmiete im Monat verlangt, davon 60 mickrige Euro Nebenkosten. Nicht mal ein Scheiß-WG-Zimmer in Berlin ist so billig wie meine Ranzbude, die ja eigentlich doch sehr gepflegt und sauber ist, nur, die umliegenden Verhältnisse wie Hausflur und Hof sind es leider nicht. Wie auch immer. Damit das Jobcenter also prüfen kann, wie viel Geld von den Nebenkosten es stattdessen noch einbehalten darf wegen der vom Mieter eigentlich selbst zu tragenden Warmwasserkosten, wirft es mich dieser Tage in ein solches beunruhigendes Unterfangen. Bei einer, wohlgemerkt, Nebenkostenpauschale von 60€, für die ich in 7 Jahren nicht eine einzige beschissene Abrechnung bekommen habe.

Nun ja, dann tu das doch einfach und heul nicht rum, denkst du vielleicht. Der Punkt ist aber der: Mein Leistungsanspruch wird weiterhin nicht bearbeitet, solange das Dokument nicht vorliegt. Das bedeutet, gesetz dem Fall, ich würde es auch nur bis zum 29. schaffen, das Ding dort einzureichen, muss ich sowieso und bestenfalls einen Monat lang über warten, damit das Amt das Geld bezahlt. Das bedeutet, dass ich im Januar kein pünktlich Geld bekomme und im Dezember eh schon lange Flaute ist.

Grund dafür ist halt auch das unkooperative Verhalten meines Vermieters, was eine zeitige Beschaffung dieser Unterlagen wirklich unmöglich macht.

Dies sind also meine Geschichten und Wehklagen aus dem Hartz, jaja, die trivialen Leiden der jungen Arbeitslosen.

In diesem Sinne wünsche ich allen faulen, stinkenden Marginalitätsgenossen da draußen frohe, beschissene, äh, besinnliche Weihnachten. Ich zieh mir jetzt erstmal Disintegration rein, completely the album, the pure cure. Das wurde auch zu Weihnachten gebastelt. Thanks, Robert.

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#6

on the 20th of may I committed suicide
but I am still alive
how I did with a knife
and I took a lot of pills to turn off light

in the middle of the night I died
a river of blood turned out of my vane
am I insane
or was it just right

I am not dead, yet
this is a big miracle
this is fucking failing kill
but I am much sad, still

now, this is a hospital
I am finding myself
clock is turning twelve
I am paying the bill

..S..T..U..P..I..D..I..A..R..Y..

I dressed myself pretty today.. in a white dress with black stripes. And tight trousers for beautiful people, they have ethnic patterns. Yesterday I was sad and then I was angry and then I developed strength and powers I didn’t believe I had those. I climbed the ladder to feel like a monkey insane, I wore my self sewed punk dress. And it fell down over my body while I was hanging upside down. It revealed what’s underneath. I was lucky I had no alcohol. There was no guarantee at all. This is a hard life of struggles. Like a roller-coaster, this is much too much. I don’t believe in miracles.

I don’t want to be that honest but I wish you somehow to climb the tree in front the house and come inside of my rooms through open windows. I am missing you. Really. And you don’t know and I don’t know. All human beings are silly.

 


powerful-photos-24


 

Today is 29th of July, which means four years ago, exactly that day I got to know my ex-boyfriend. I hope I will raise my glass tonight to the ceiling, to the sky actually, cause not dancing to Joy Division (Let’s dance to Joy Division – and celebrate the irony – everything is going wrong – but we’re so happy – Let’s dance to Joy Division – and raise your glass to the ceiling – cause this could all go so wrong – but we’re so happy) but to songs at the river.

He did shit to me. I will do shit to me. No, I won’t. Yes, I will. No, I won’t. No, I don’t want to, but I just want to.

 

EVERYTHING

also

eigentlich wollte ich das ja eh, you know, einfach um mal zu gucken, wie’s so läuft, wisst ihr, aber jetzt weiß ich, dass ich auch (zwangsläufig) zwei wochen blendend weder fernsehen gucken noch surfen muss, dafür lesen (junkies und naked lunch sind ja mal mega interessante geschichten (danke, schatz)), briefwahl erledigen zum beispiel, puzzlen endlos, rätsel lösen wie ein irrer, tee trinken, weniger kaffee, weniger kippen, im wald rumlaufen, specksteinfiguren basteln, kniffeln, karten und rummikub spielen, neuen lebensmut tanken, keinen diesel, und das alles wegen psychiatrie.
aber negatives gibt es auch viel. ich fühle mich oft traurig und wütend. manchmal kann ich alles kurz und klein schlagen weger meiner endlosen wut.
das wird schon wieder-

ich mache

to-do-listen (auch wenn ich das wort total hasse, ja, nicht alle anglizismen sind cool (z.b. location, oh mein gott, ich hasse dieses wort)) fürs leben jedenfalls, um die sinnlosigkeit desselben zu ertragen. ich will zum beispiel mal mit einem seil in einen see springen, you know, so tarzan-like, um mal bei anglizismen zu bleiben.
ich will auch mal in einem heißluftballon mitfahren, wie vor gefühlten hundert jahren auch schon.
und durch nevada mit meinem freund und in einem motel übernachten.
und wenn ich das dann alles getan habe, dann kann ich von mir aus sterben, wenn nicht irgendwas seltsames dazwischen gekommen sein sollte, ein kind vielleicht oder was auch immer.