beginning of a short story

Ein Mensch geht zur Polizei. Er sagt: „Ich möchte eine Vergewaltigung anzeigen“, und fängt an zu weinen.

Der Polizist fragt: „Was ist denn passiert? Was ist Ihnen widerfahren? Wer hat Ihnen was angetan?“

„Nicht ich wurde vergewaltigt“, sagt der Mensch, „Ich möchte eine Vergewaltigung anzeigen, die ich gesehen habe.“

„Was genau ist passiert?“, fragt der Polizist, „Wo haben Sie eine Vergewaltigung gesehen? Wem ist etwas angetan worden?“

„Ich kenne die Person nicht, die vergewaltigt wurde, und auch nicht den Täter“, sagt der Mensch, „Ich kenne auch niemanden der anderen Personen, die rundherum standen und dabei zugesehen haben, außer mich selbst.“

„Wo ist es passiert?“, fragt der Polizist.

„Im Outback Australiens“, sagt der Mensch.

„Sie waren in Australien?“

„Nein“, sagt der Mensch, „die Vergewaltigung war in Australien, irgendwo in der Wüste.“

„Wie konnten Sie sie dann sehen?“

„Gestern“, sagt der Mensch, „im Film Mad Max II, der Vollstrecker, Sie wissen schon.“

„Aber das ist ja nur ein Film“, antwortet der Polizist in einer belächelnden Weise, „da wird bloß geschauspielert, das ist nicht echt.“

„Gut, dann möchte ich halt eine geschauspielerte Vergewaltigung anzeigen“, korrigiert der Mensch.

„Das wird so nicht funktionieren“, schätzt der Polizist, „Welchen Tatbestand soll ich denn da vorlegen. Es ist niemand zu Schaden gekommen und der Film ist dreißig Jahre alt.“

„Doch, es ist jemand zu Schaden gekommen“, sagt der Mensch, „Ich möchte eine geschauspielerte Vergewaltigung anzeigen, weil sie mich in einen traumatischen Zustand versetzt hat.

Und wenn wir schon mal dabei sind, möchte ich auch die Vergewaltigung auf der Bühne in A Clockwork Orange und die Vergewaltigung in Twentynine Palms in der Wüste Amerikas anzeigen. Und die in Stieg Larssons Verblendung und auch alle anderen, jemals im Film gezeigten Vergewaltigungen. Und jeder, der eine Alex De Large Sympathiebekundung macht, gehört für ein paar Tage inhaftiert.“

„Tja, ich fürchte, Sie haben da vielleicht ein ernstes Problem, welches jedoch Ihres persönlich bleiben wird“, sagt der Polizist und wendet sich dem nächsten Anliegen zu.

I just can’t understand why we’re going on …

zwei der dinge, die mich sehr beschäftigen in freizeit und alltag, sind erstens filme und zweitens die rolle/ bedeutung von mann und frau und alles, was noch dazwischen sein mag, in der gesellschaft. und weil diese zwei dinge sehr oft miteinander kollidieren, schreibe ich heute über beides.

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meine gedanken verwandeln sich nicht in paranoia

Das Stilmittel mit der Clownsmaske ist so fies und schlecht wie das eines laufenden Cartoons auf einem im Hintergrund einsehbaren Fernsehapparats in einer Szene eines Films, der in irgendeiner Weise mit ernsthaften Verbrechen zu tun hat. In dem Cartoon sieht man dann, wie eine Comicfigur eine andere jagt und sie sich gegenseitig zu Klump hauen, weil die überspitzt dargestellten Formen der Gewalt dahinter so faszinierend komisch sind. Fast jeder Film, der nicht irgendeine bekloppte Liebesromanze ist, handelt aus irgendeiner Sicht von Gewalt, von Dominanz und Unterwürfigkeit und von seltsamen Bedrängnisnöten, die aus psychischer oder physischer Gewalt hervorgehen. Ist euch Wichsern eigentlich schon mal aufgefallen, dass am Ende fast immer eine junge, gut aussehende Frau die einzige Überlebende eines Massakers in einem Horrorstreifen ist? Und diese Frau ist darüber hinaus auch noch relativ intelligent, nicht so sehr, dass man das jetzt irgendwie auffallend schlau finden würde, aber sie ist eben auch nicht so hirnverbrannt wie der Rest der Frauen, die zur Gruppe gehören, von denen einer nach dem andern abgeschlachtet wird. Wisst ihr, was ich meine? Und wisst ihr auch, woran das liegt? Weil Männer so geil darauf sind, ihren Überlebenskampf zu verfolgen und sie dabei zu beobachten, wie sie von dem Monster, was sie töten will, malträtiert und gefoltert wird und zwar bis zum Filmende, damit sie lange was davon haben. Nicht die Folter ungefähr, sondern der Kampf dagegen ist so anregend zu sehen und wie sie sich wehrt und dann doch entkommt, steuert ihr eine vermeintliche Stärke bei. Eigentlich aber ist sie nur ein Veranschaulichungsobjekt für die Verfolgung, Ächtung und Niederwerfung ihres Geschlechts. Schließlich schafft sie es erst in der letzten Filmsequenz, ihrem Peiniger einen Todesstoß zu versetzen. Das hätte sie auch schon viel früher gekonnt, weil sie ja nicht dumm ist, aber die Männer hätten dann nicht so die Möglichkeit zur Befriedigung ihrer natureigenen Fantasien und Triebe.