Von Freundschaft und Sehnsucht…

 

Narziss und Goldkind

 

Wer sagt, er mag dein Freunde sein,
will mit dir tanzen, spielen, lieben,
dem wundersame Träume scheinen,
doch will er dich, er will dich kriegen.

 

Was sucht er in des Fremden Hand,
ihm eilig zu verheißen?
Ein kostbar Land, ein selten Band,
um einmal fest daran zu reißen?

 

Im Kampfe um die eine Gunst
des reizenden Exoten,
speit Dragon seine Leibesbrunst
und schickt ihm zwielichtige Boten.

 

Er füllt sein Werk mit Kalkül aus,
mit Willensmacht und Eifer,
er labt sich am Trophäenschmaus,
doch wird er stets nicht reicher.

 

Es mag der Wunsch sein, zu bekommen,
was fern, so fremd und ungewohnt,
Juwelenschimmer reich benommen,
mit Glanz und Glorie belohnt.

 

Doch was im Funkeln tief verloren,
das sieht der Gierige wohl kaum,
es hat sich selbst nicht auserkoren,
zu scheinen wie ein Traum.

 

Nun sind des Fremdlings Innereien
gleich einem Diamanten fein
und Dragon bohrt mit großer Pein
sich lustvoll hier ein Loch hinein.

 

Oh werter Herr, was wird er dort sich finden nur?
Ein reines Herz ganz ohne Sünden pur?
An welches Schicksal wirst du ihn dann binden?
Wird er am Funkeln gar erblinden?

 

Doch nun zum Schlusswort der Geschicht:
im strahlend Diamantenlicht
sieht Dragon fremde Zauber leider nicht;
es ist ja bloß sein eigenes Gesicht,
das ihn da glorreich und erpicht

 

in einem fort besticht.

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ROSALINDE WACHTMEISTER

Da ich mich ja nicht bloß zum Sortiment der erfolglosen Blogger, sondern auch zum Register der armseligen Schriftsteller zählen würde, hier mal wieder ein kleines literarisches Erzeugnis aus meiner virtuellen Feder. Für all meine besonderen Freunde und Leser unter euch, die ein aufrichtiges Interesse an epischer Grütze haben, folgt nun eine Kurzgeschichte, die eigentlich als Teilkapitel meines jüngsten Manuskriptes gilt, über die Verwirrungen und Zerrissenheit einer jungen, total unterschätzen Aktivistin. Diese Geschichte ist einfach ohne Pointe und das soll die Vergeblichkeit der an sich nicht endenden Bemühungen meiner talentierten Protagonistin veranschaulichen. Punkt. Alles ist ein process.

Hahaha.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch eure Holden Coffeeld. Ja, ich bin immer noch eine Frau, biologisch gesehen zumindest.


ROSALINDE WACHTMEISTER

Heute erzähle ich euch die Leiden rund um den Reifeprozess einer jungen Person namens Rosalinde Wachtmeister aus dem Elendstal, Finsterwalde, denn obwohl Rosalinde noch recht jung ist, hat sie im Elternhause zwar eine ziemlich moderne, medial und von außen aber eine sehr traditionelle Erziehung über sich ergehen lassen müssen (was viele andere gar nicht richtig bemerken), bis sie in der Zeit ihrer formativen Phase schon den Beginn eines leichten Strebens nach revolutionärem Umschwung in sich aufblühen spürte und wusste, schon damals, dass nach ihrer persönlichen Wunschvorstellung einmal alles anders kommen sollte als bisher.

Von diesem Zeitpunkt an, diesem innerlichen Gespür in sich, bemühte sich Rosalinde Wachtmeister, wann immer das gefahrlos möglich war, den Leuten aus sozialem Umfeld anzugewöhnen, dass sie nicht etwa Rosalinde, wie aus Elternhause genötigt, sondern vielmehr Blaueeiche genannt werden wollte, um dem farblichen Klischee ihres biologischen Geschlechts zu entgehen.

Dann aber irgendwann gefiel ihr auch das nicht mehr, denn so sehr sie auch zuweilen hasste, eine „Frau“ zu sein nach allen Regeln der Natur, empfand sie es alsbald genau so verächtlich und falsch, ein „Mann“ sein zu wollen und genau, wie im Zuge ihres bürgerlichen Namens, einen Wink auf stereotypische Farbzuordnungen zu machen. Von da an gab sie sich den Namen „Violet“, um auf farblicher Ebene niemals mehr mit irgendeinem geschlechtlichen Extrem in Verbindung gebracht werden zu können, und so verstand sie sich als zauberhafte, aber irgendwie verdammte Figur einer Mitte, die in diesem Fall mal nicht golden, sondern lila war, mit einem Hauch Rosa und Blau, denn sie war beides, ohne Frage, aber auf keinen Fall schwul oder lesbisch, und ihre Haare färbte sie wie die von Trunks, Vegetas Sohn.

Und da ja nahezu jeder verdammte Idiot auf der ganzen weiten Welt Violet heißen konnte, gab sie sich den Beinamen Oak, wie die Eiche halt, nur angelsächsisch, wenn ihr versteht. (Obwohl sie natürlich keinen Onkel besaß, der Professor war und der ihr kurz vor ihrem großartigen Abenteuer die alles entscheidende Wahl überließ, ein vegetarisches, pyromanisches oder aquatisches Pokémon mit auf die Reise zu nehmen, um so die vielen Emo-, Punk- oder Gruftimonster einzufangen, die ihr im hohen Grase oder in düsteren Höhlenverliesen über den Weg laufen würden. Allerdings besaß sie auch keine Meisterbälle, mit denen sie die besonders außergewöhnlichen Exemplare aus der Familie der Emos in ihren Besitz hätte bringen können. Emos sind nahezu unfangbare Wesen, wegen ihrer abnormalen Fähigkeit, reflexartig vor jeglicher Gefahr zu fliehen. Diese haben sie sich idealerweise während zahlloser Hetzjagden in südeuropäischen Gefilden angeeignet und als erfolgreich integriertes Fluchtgen an alle Abkömmlinge Selektions- und Variationshalber weitergegeben.)

Irgendwann sprang Violet eigenfüßig Richtung Westen über den ganzen Atlantik hinweg. Im Land der schönen und der schlimmen Träume wollte sie ihre Ideologie verbreiten. Ein paar Anhänger hatte sie schon, denn als Digital Native war ihr die Nutzung des Internets für Zwecke wie diese vertraut. Sie kämpft dort noch heute für mehr Gerechtigkeit, weil sie anders als die meisten das Glück hatte, für ihr Engagement nicht erschossen zu werden, bislang zumindest. Die Möglichkeit eines leichthändigen Erwebs und Besitzes von Schusswaffen bekämpft sie übrigens auch, aber das ist eine andere Geschichte.

Also, unsere Lieblingsfigur namens Violet mit dem Beinamen „Oak“ verkündet ihre Proteste, nachdem sich ein paar Zuhörer erfolgreich um sie geschart haben.

Ihr Partei-Programm (ihre Partei besteht aus einer Person und zwar sie selbst) offenbart sie auf einer Liste – und über ein Megafon. Sie versucht, ihre Fans davon zu überzeugen, dass es nicht richtig ist, Männer die Berufe des Gynäkologen erlernen zu lassen, denn keine Frau sollte sich von einem Mann in ihrer Möse untersuchen lassen, der heterosexuelle oder bisexuelle Neigungen empfindet. Violet möchte, dass ab sofort nur noch Frauen selbst oder aber homo- oder asexuelle Männer Gynäkologen werden dürfen. Die Homo- oder A-Sexualität der männlichen Anwärter wird im Vorfeld durch eine Filmreihe mit verschiedenen pornografischen Inhalten getestet. Je nach Steifheit des Gliedes und der Regungen im Gehirn werden Urteile über die Ausprägungen der sexuellen Orientierung gefällt, mit Kreuzchen an der richtigen Stelle im Gutachten. Wer den Akt zwischen zwei Männern sichtlich bevorzugt oder überhaupt keinen mehr hochbekommt, der darf in Zukunft gerne Vaginen explorieren sowie die Kolonisten zu Kolonialzeiten ihre neu besiedelten Gebiete.

Dann wiederum möchte sie die Niederträchtigkeit und demütigende Wirkung der Gynäkologen-Stühle vernichten. Kein Gynäkologen-Stuhl auf dieser Welt sollte eine Frau dazu nötigen, ihre Beine zu spreizen; das sei in höchstem Maße unmoralisch und falsch. Eine Frau darf sich auf eine Liege legen mit halbwegs geschlossenen Beinen, während eine erfahrene ärztliche Fachkraft mit einem Ultraschall-Dildo die Weiten ihres Mutterschlundes erkundet.

Sie hofft auf eine bessere Welt, in der die Sexualisierung von Frauen und Männern zurückschreitet. Aufmerksamkeit erlangt sie, indem sie ein Zukunftsbild der Menschheit prognostiziert, das alle Menschen bedingungslos gleichschaltet. Universalisierung nennt sie das.

Prostitution soll kontrolliert und legalisiert stattfinden dürfen, allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass ebenso viele Bordelle oder Straßenstriche für Frauen wie für Männer geschaffen werden, für Schwule und für Lesben. Das kann man sich dann so vorstellen, dass eine Frau, die nicht gerade lesbisch ist und gerade Bock auf Sex hat, sich in ein solches Milieu begibt und mit einem heißen Typen ihrer Wahl es so richtig krachen lassen kann. Gegen Bezahlung natürlich. Das gleiche Prinzip gilt für die Homos und auch sonstige Abwegige im Bereich der sexuellen Orientation natürlich auch. Puffparties für alle.

#7

an der weser spielend lauschen
dieses flüssleins ruhiges rauschen
sanfte lieder saitenklänge
süße, stille freundesenge

dürstend nagend alkohol
dieser freund, das ist er wohl
schleichend in ein mystisch reich
grüne wiesen, liebsam weich

wehe dem, der das verachte
damals um die wette lachte
heute sehn ich mich nach anderm wege
meine seele sachte hege

denn so bin ich angekommen
meine sorgen klar verschwommen
morgen werd ich anders sein
nie mehr bier und nimmer wein