Geschichten aus dem Alltag

Gestern hätte ich es fast geschafft, nach langer Zeit mal wieder in aller Öffentlichkeit loszuflennen. Und zwar an der Bushaltestelle. Das lag daran, dass der Bus zwar schon da war, auf den ich wartete, es aber in Strömen regnete und der Busfahrer nichts Besseres zu tun hatte, als fünfzehn Minuten lang die Türe verschlossen zu halten und irgendwie auf seinem Smartphone rumzudödeln.

Das hat mich so gestresst, dass ich fast heulte und ziemlich laut unter meiner Chirurgen-Maske Arschloch sagte, was er aber nicht hören konnte, da die Bustür ja verschlossen war.

Zu diesem zwanghaften Smartphone-Gebrauch von irgendwelchen Leuten könnte ich auch mal was schreiben, aber wann anders und so. Jo.

Aufgeben

Vor Kurzem wurde ich auf meiner Arbeit von einer Kollegin (26) gefragt, ob ich mir denn in naher Zukunft vorstellen könnte, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Sie sagte, wir beide seien ja prinzipiell noch zu jung, um quasi „aufzugeben“. Da ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich durch meine aktuelle Arbeit ja eigentlich keineswegs am „Aufgeben“ bin. Ich sehe diesen Job vielmehr als Chance, noch etwas aus meinem Leben zu machen. Die Stelle bietet mir auf jeden Fall eine Tagesstruktur, von Montag bis Freitag, ein kleines Gehalt, Freizeitangebote obendrein (Kickern, Billard, Dart und Skip-Bo) und tolle Kollegen sowie super Vorgesetzte. Sie ist eine Werkstatt für Menschen mit psychisch belasteter Vergangenheit oder Gegenwart (Depressionen, Psychosen, Manie, Schizophrenie, Alkoholismus), die es unter normalen Arbeitsbedingungen auf dem ersten Arbeitsmarkt sehr viel schwerer hätten.

Ich glaube, ich bin dort gut aufgehoben. Außerdem machen mir die Tätigkeiten noch dazu Spaß.

Und ja, ich zweifel an meinen Fähigkeiten und fühle mich noch nicht dazu bereit, einen Schritt weiterzugehen.