Cut Up Quatscho

So. Es geht wieder los mit der Cut-Up-Version Teil II aus Murkse „Der Chirurg“ und Co. KG. FSJ 16.


 

Der Chirurg

 

Also. Es geht weiter. Charlie lernt in der größer werdenden Distanz zum Maestro nach den vielen harten Trainingswochen irgendwann bald einen Chirurgen kennen, einen hoch angesehenen, der manchmal in den Schmierblättern steht wegen seiner hervorragenden Präzisionsarbeit bei der Gestaltung schlauchbootartiger Lippen (nicht nur im Gesicht), exorbitanter Riesentitten oder der spiegelglatten Haut an Stirn, Wangen und Dekolleté, die sich mithilfe von botoxischen Gifteinlagen zu einer ausdruckslosen Starre verformen wie bei einem Wachskabinett-Werk oder bei der Aufbereitung von Toten.

 

Der Chirurg ist allerdings recht diskret und professionell. Der im Dienste der faulen Schönheit Stehende treibt sich oft in Unterwelt-Gefilden herum, in denen er des nachts auf ihm schmeckende Gestalten seinesgleichen stoßen kann, und so stößt er schon bald auf den nach wie vor abenteuerlustigen Charlie, nachdem er schon lange einen ziemlich abgefuckten Teampartner gefunden hat, der Augen hat so leuchtend wie Kometen, und Haare am Schädel und im Gesicht wie ein kokainkonsumierender Gitarrenrockstar. Tatsächlich nimmt der Gute Drogen ohne Ende, wahrscheinlich sogar Heroin.

Der Chirurg sieht so ähnlich aus wie Ronny Berg Larsen, der Oberguru der norwegischen Drogenmafia-Sondereinheit des Polizeidezernats in einer Krimireihe aus dem Land der Inseltoten Breivikopfer. Übrigens ist dieser Guru auch ein recht pädophiler, der sich die Finger an blutjungen Mädchen verbrennt.

 

Charlie fühlt sich sofort dazu bewogen, von den eindringlichen Augenpaaren des Arztes bewundert zu werden, und so sprechen sie irgendwann abseits der Tanzfläche im Halbrausch miteinander.

Sie fangen noch in der gleichen Nacht ein zurückhaltendes, nicht entsetzliches Liebesspiel an, das in den nächsten Tagen immer heftiger wird.

Der Arzt hat ein paar grauenerregende Neigungen und fickt Charlie im Stehen direkt vor dem Wandhohen Spiegel im Schlafzimmer, hält ihm die Hand vor den Mund und schnürt ihm dabei die Luft ab, bis Charlie irgendwann aus der Nase blutet und dabei zusehen kann, wie dicker roter Saft aufs T-Shirt sickert, während der Chirurg in seinen Darmausgang hineinejakuliert.

Ein anderes Mal vergehen sich beide, sowohl der Arzt als auch der Rockstar mit den langen Haaren, dessen Name Jared ist, an der Wehrlosigkeit des Jungen, indem ihn der Rockstar zu Boden drückt und festhält, während der Arzt eine stark alkohollastige Substanz in Charlies Mund einführt (Jared ist übrigens ein stabiler Kunde von Downer, sowohl im pornographischen Bereich als auch im Kokainhandel). Danach drücken sie ihm so lange die Atemwege zu, dass Charlie fast ohnmächtig wird.

Eine perfide Art, Charlie zum Orgasmus zu bewegen, fällt ihnen beiden ein, indem sie den Jungen dazu zwingen, innerhalb der ihm abgeschnürten Luft zu ejakulieren, was er also zwangsläufig tun muss, um nicht zu ersticken, aber es funktioniert, weil er ja nicht ersticken will. Kurz vor seinem Kopf, der schon ganz rot wird, platzt also Charlies vor Aufregung angeschwollener Intimbereich. Danach darf er wieder Luft holen.

 

Zwischen Strangulieren und Würgen besteht übrigens ein Unterschied. Strangulation erfolgt mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel Kabeln so wie bei Mooshammer und Würgen geschieht only per Hand. Der Chirurg und der Rockstar allerdings tuen weder das eine noch das andere an Charlie, da sie den Gebrauch jeglicher Hilfsmittel verachten, die an ihren Lieblingsopfern zu offen sichtbaren Spuren der Verletzung führen und auf diese Weise ihre Ästhetik zerstören könnten.

Der Grund, warum Charlie irgendwann die subtilen Misshandlungen nicht mehr über sich ergehen lassen und darum seinen Weg wieder allein fortsetzen will, sind die subtilen Misshandlungen selbst, die ihm viel bedrohlicher und gefährlicher erscheinen als bloß so eine einfache Sado-Maso-Geschichte, die immerhin nach so einer Art persönlichem Schutz- und Sicherheits-Kodex arbeiten würde. Er findet schnell heraus, dass Dr. Dominus nicht das Leiseste übrig hat für alles, was für den Bereich des Sadistisch-Masochistischen typisch geltend gemacht werden kann, und obwohl Charlie selbst Abneigungen gegen vieles daraus hat, z.B. das zwanghafte Versetzen in Rollen von Untertan oder Meister, sowie die übertriebene Zelebrierung offenkundig verrückter und albern anmutender Accessoires, so vermisst er doch vor allem die Bereitwilligkeit des Chirurgen, sich zumindest auf ein Code-Wort einzulassen, das bei Benennen das Ende dieser bitteren Spiele einleiten würde. Selbst wenn aber ein Wort dieser Art vereinbart worden wäre, der Chirurg hätte es wohl dennoch stillschweigend ignoriert.

 

Und so verkündet Charlie schon bald seinen Ausstieg aus der Sache, die ihm brenzlig erscheint.

Als der Chirurg dies erfährt, bedroht er Charlie mit nichts in der Hand, denn er weiß ja nicht einmal, wo der Junge wohnt.

„Du solltest Acht geben, was du sagst, denn immerhin weiß ich um eines deiner perversen Geheimnisse, die du um nichts in der Welt an die Öffentlichkeit geben wolltest“, verteidigt sich Charlie klug oder nicht.

Der Chirurg sagt daraufhin gar nichts. Er überlegt sich in den nächsten Tagen eine böse Heimtücke für den Jungen, um ihn in der Hand zu behalten.

Eines Tages ruft er den Jungen an und bittet um ein gemeinsames Abendessen, selbst zubereitet, und um ein klärendes Gespräch, und für seine Bitten gebraucht er die fantastischsten und charmantesten Worte der ganzen Weltgeschichte.

 

Der dumpfbackige Fisch namens Charlie beißt dümmlicherweise an und erscheint in gepflegtem Äußeren (die Jeans, die er trägt, hat kein einziges Loch) am Abend des Essens.

Der Tisch ist festlich eingeschmückt und Charlie nimmt Platz, der Chirurg hantiert noch in der Küche. Die Küche ist gut einsehbar, sie wirkt sehr sauber und konform.

Dann speisen sie ein festliches Gericht, bestehend aus hohen Fleischanteilen, saftige Einlagen tierischer Körperregionen, würdevoll umrahmt von einer majestätischen Rotwein-Sauce, die so herrlich süß und sanft schmeckt wie ein einsamer Herbstspaziergang im Nachmittagsschein der Sonne.

Vier lange Tafelkerzen werfen Goldlicht auf das lächerlich poetisch angehauchte Gedeck.

Der Chirurg gibt an, dass er keine Absichten habe, Charlie nun einfach so ziehen zu lassen.

Das liegt daran, dass der Chirurg eigentlich immerzu Appetit auf Herrschaft und Einflussnahme hat und wie ein Wahnsinniger stets nach dem Besitz von Kontrolle und Privilegien giert, deswegen ist er ja auch Chirurg geworden. Er verführt seine Beute, bevor er sie frisst.

Charlie aber hat dem zweifelhaften Diner zugesagt aus der kindlichen Annahme heraus, sein Gegenüber könne sich für seine Missetaten entschuldigen und einen hinnehmbaren Friedensvorschlag offerieren wollen, nach dem beide ihre Leben von jetzt an musterhaft ausrichten könnten.

 

Nach dem Essen geleitet der Chirurg Charlie in die große Wohnstube (der Chirurg lebt in einer gigantischen Luxusvilla, jedoch ein Bruchteil dessen, was der Maestro zu bieten hat). Dort hängt ein riesiger Bildschirm, ein Cinema in etwas bescheidener Ausführung ohne Vorhang oder Stufensessel und eine Popcornmaschine fehlt auch. Er betätigt ein Feature auf seinem Schwuchtel-Smart-Phone, woraufhin sich die Jalousien rundherum vollständig herabsenken.

 

Ein Film geht an.

 

Zu sehen ist darin der Chirurg selbst. Es ist kein Ton vorhanden, nur die Videoaufnahmen des Arztes, die selbst-inszeniert wirken. Ein Junge, vielleicht 12, liegt auf einer Matratze. Charlie wird etwas übel. Vor Aufregung. Der Arzt auf dem Videoband zieht sich seine Kleider aus. Dann zwingt er den vielleicht 12-Jährigen zu mundspezifischem Geschlechtsverkehr, bevor er ihn heftig von hinten penetriert. Nachdem er mit seiner abartigen Kinderfickerei fertig ist, drückt der Chirurg den Hals des Jungen so lange so fest zu, bis das Kind nicht mehr zappelt, sich nicht mehr rührt und der Blick eiskalt und starr wird. Wie eine halb entkleidete Leiche liegt es auf dem Totenbett, obwohl es möglicherweise noch lebt und bloß ohnmächtig ist.

Der Chirurg auf dem Band hantiert nun mit Werkzeugen, die nach dessen Metier ausschauen, Skalpelle, Messer, Scheren. Man kann nicht alles sehen, nur dass er das Kind zunächst aufgrund eines Kehlenschnittes verbluten lässt und zum Schluss Stücke aus dem Körper des Kindes heraustrennt aus Bein, Hüfte und wahrscheinlich auch aus dem Arsch.

 

Charlie sitzt im Halbdunkel auf der Couch und ist im Übrigen schon ganz starr vor Ekel. Der Chirurg sitzt daneben und genießt das Anschwellen seiner eigenen Weichteile.

 

„Was sagst du zu meiner bahnbrechenden Filmkunst?“, fragt der Arzt.

„Ich weiß nicht, Doc. Ziemlich heftiger Shit. Sieht verdammt echt aus“

„Du Gott verdammter Idiot. Das liegt daran, dass es verdammt noch mal echt ist“, korrigiert ihn der Arzt, der sich halbwegs beleidigt fühlt.

Aber das wusste Charlie auch so schon. Er wollte auch nicht nach den Requisiten fragen. Cold sweat, you know, an’ hot fear.

Das ist also die Szenerie; blutrünstig, scheiße und brutal.

Der Arzt erläutert in schweißtreibender Detailgenauigkeit, wie er anschließend in hannibalistischer Präzision vorgegangen sei, das Fleisch des Kindes zuzubereiten und schmackhaft zu machen und wie er den Anblick von Charlies Verzehren der außergewöhnlichen Steak-Zubereitung amüsant, ja nahezu köstlich gefunden habe. Außerdem habe er im Gefrierschrank aufbewahrtes Ejakulat von Charlie, das er einmal unbemerkt an sich genommen hatte, in den zylindrischen Hohlraum einer für medizinische Zwecke anwendbare Spritze gefüllt. Charlies Samenerguss befindet sich nun – dank Injektion – im Körper des zu Tode gebrachten Halbwüchsigen.

 

„Und wenn du nicht sein Mörder bist, und nicht sein Vergewaltiger, so wirst du noch sein perverser Leichenschänder vor den Augen der Geschworenen sein, wenn die Staatsanwaltschaft deine DNS als Beweiskraft vorlegt, also hüte deine Zunge, mein junger Freund, wenn es darum geht, mich bei der Polizei vorzuführen.“

 

Der staatliche Verein subluminal homosexueller Impotenter

 

Ich kann euch nicht mal genau sagen, ob der Chirurg glaubt, auf diese Weise Charlie davon abhalten zu können, jemals diese Geschichte der Polizei vorzutragen, eben weil sie so skurril ist oder aber durch die mögliche Beteiligung von Charlie selbst an diesem fanatischen Verbrechen, oder aber weil er es einfach ungemein genießt, den Jungen damit seelisch zu quälen. Jedoch, Charlie denkt nicht einmal im Traum daran, jemals diese Geschichte NICHT zu erzählen, wenn ihr versteht, was ich meine, weil er die Fähigkeiten einer juristischen Beweisführung in einem demokratischen Land kompetenter einschätzt als der Chirurg es vielleicht von ihm denken würde.

Also geht er schon ein paar Tage danach zu der nächsten Polizeidienststelle und wendet sich an den nächstbesten Officer, um ihm von der Geschichte zu erzählen.

 

„Was sagen Sie da? Der Chirurg habe ein klein Kindelein… zum Todelein… gefoltert und dessen Überreste aus einer Bratpfanne serviert? Sind Sie sich da absolut sicher?“, fragt ihn der dicke Empfangs-Officer, eine Fleisch gewordene Doughnut-Kugel ohne Loch in der Mitte. Der Officer ist so dick, dass sich der Nabel nach außen stülpt, was man manchmal sehen kann, wenn er ein viel zu enges Lacotz-Polohemd anhat.

„Also gut. Reichen Sie mir bitte Ihren Personalausweis, dann sehen wir weiter“

Charlie zeigt dem Officer sein Fratzenbild, der Fette schaut kurz darauf und blickt dann skeptisch zurück auf Charlie, als würde er etwas ganz heftig nicht kapieren.

„Bitte nehmen Sie Platz. Wir brauchen noch eine Weile für die Bearbeitung Ihres Anliegens“, und Charlie stellt sich schon auf eine Dekade Wartezeit ein.

 

Aber schon nach einer Minute oder zwei führt ihn eine Sachbearbeiterin hinfort zu einem Bürozimmer, in dem ein gutaussehender Polizist namens Trevor sitzt, groß, schlank, muskulös, ein hübscher junger Mann, der wie ein Mulatte aus fernöstlicher und skandinavischer Desoxyribonukleinsäure gezaubert ist, asiatisch dunkles Haar und die Gesichtszüge eines finnischen Fashion-Laufsteg-Models.

 

Alle glotzen auf Charlie.

„Setzen? … Setzen …“

Charlie setzt sich.

 

„Uns ist etwas Schauerliches zu Ohren gekommen, Charlie Geschichtenerzähler“, beginnt der Ranghöchste, ein adrett gekleideter Schmierlappenkönig.

„Sagen Sie, woher kennen Sie den Chirurgen eigentlich so genau, dass Sie von solch abstrusen Dingen überhaupt kenntnis nehmen? Und – bitte keine Lügen.“

„Ich lüge nicht,“ verteidigt sich Charlie.

„Unsinn!“, unterbricht ihn das schwule Alpha-Männchen, der ranghohe Bulle, der Vorgesetzte der anwesenden restlichen Beteiligten, auch der des Koreaner-Finnen.

„Sind Sie sich der Schwere Ihrer Anschuldigungen eigentlich bewusst?“, fragt ihn der Bulle erneut, „ich meine, wissen Sie überhaupt, gegen wen sich Ihre Anschuldigungen da eigentlich richten?“ – Die eigene Ehegattin des ungalanten Stierkopfes hat sich vor geraumer Zeit die Oberweite bei dem Pieselunken-Chirurgen sichtbar vergrößern lassen, als Geschenk zu Weihnachten, um von da an ihre ganzen unzähligen Konkurrentinnen, andere hirnlose Herzdamen anderer hirnloser Männer, auf hirnlosen Abendveranstaltungen, albernen Soirees, dank ausgedehnter Busenlandschaft einfach wegzuschwabbeln.

„Vor dem Gesetz sind aber alle gleich“, blödelt Charlie herum.

„Oh – ein Idealist“, grunzt daraufhin ein Schweinchen aus den hinteren Reihen.

„Der Apfel ist wieder einmal recht weit vom Stamm gefallen“, lacht ein anderer und wieder einer protestiert, das sei doch nie und nimmer der Sohn des madigen Anwalts, so zaghaft, so gewissenhaft.

 

„Okay. Lassen wir die Albernheiten“, der oberste Bulle bringt sich zurück ins Spiel, „Wir wissen alle, dass Sie einen tragischen Verlust erlitten haben – („Einen tragischen?! Bei Gott, der fehlt nun wirklich keiner Menschenseele“ – höhnisches Gelächter) Der Verlust eines Elternteils ist wohl niemals ganz und gar ohne Last und Schwere. Und so lastet diese Schwere womöglich doppelt und dreifach, wenn noch dazu der andere Elternteil von Beginn an ungekannt und nie erlebt war. Wir haben Ihre Krankengeschichte studiert, kleiner Scharlatan, und ob Sie’s glauben oder nicht, wir sind da auf die ein oder andere… sagen wir psychische Offenbarung Ihrerseits gestoßen – wie auch immer man das sagen soll… und alsbald sind wir auch auf Ihren Hang gestoßen, Ihren Hang, Mister, sich Mittel einzuverleiben, für die sich ein militanter Drogenfahnder bestimmt interessieren würde – nicht wahr, Winnie Winfred?“

Der Qotenneger links hinten in der Ecke meldet sich zu Wort „Sir, Ja, Sir! Bei aller Gott verdammten Macht und Liebe, Sir!“

 

„Wenn Sie gestatten würden..“

Ein Arzt gibt sich zu erkennen und stößt gefühllos die Nadel einer Spritze in Charlies rechten Arm, dann saugt er eine Ampulle voll Blut daraus, für einen Drogen- oder Alkoholtest.

Natürlich fahren zwei Beamte zur Villa des Chirurgen, um ihn ein bisschen zu befragen, und natürlich schauen sie sich ein wenig um im Haus, was der Chirurg ausnahmsweise gestattet, aber sie finden weder Leichenteile noch gefrorenes Sperma oder irgendwelche anderen Auffälligkeiten oder Indizien darin, die auf ein solches Verbrechen schließen könnten.

Stattdessen fahren sie auch zu Charlie, um dessen Wohnung zu besichtigen und um ihm zu sagen, dass ihre Recherchen über den Chirurgen und dessen sexuelle Präferenzen erfolglos geblieben sind.

 

Fat Cat Restaurant

 

Sie finden nicht einmal Essen im Kühlschrank bei Charlie.

Denn Charlie zieht es zu diesem Zeitpunkt vor, regelmäßig Speisen in der Mensa einzunehmen, die sich im Bürokomplex des Maestros befindet und die eher an ein Luxusrestaurant erinnert, die Mensa. Der Maestro lässt Charlie seit ein paar Tagen als billigen Praktikanten dort arbeiten, damit sich der Junge in Gastronomie und Service weiterentwickeln kann, vor allem aber auch, um einfach der Beschäftigung wegen beschäftigt zu sein. Das vertreibt dumme Gedanken.

Charlie arbeitet also mal als Küchen- und mal als Servicekraft, obwohl er es hasst, wie eine dienstleistende Hure Gäste zu beliefern, mit feinen Speisen und Getränken auf wackligen Tabletts.

Das Restaurant wird übrigens von Kenneth angeführt, obwohl es dem Maestro gehört.

 

Ein paar Tage nach dem Besuch der Cops sieht Charlie den verwichsten Chirurgen in einer Ecke in der Mensa sitzen und bekommt eine böse Vorahnung. Ihm steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als Kenneth irgendwann vor ihn tritt und ihn fragt, warum er denn aufgehört habe, zu arbeiten.

 

Charlie sagt, er würde es jetzt vorziehen, in der Küche auszuhelfen, mit feinen Schweißperlen auf der Stirn, anstatt im Service zu arbeiten, obwohl das Restaurant derweil zu gut besucht ist für ein Abdriften.

„Du weißt, dass du dich an deinen Arbeitsplan halten sollst und du weißt auch, dass Henry nicht ohne Grund abwechselnd diese beiden Bereiche für dich vorgesehen hat. Im Hintergrund arbeiten kann jeder, Charlie, es geht darum, Hürden zu bewältigen und sich den Herausforderungen zu stellen, die diese Welt für uns bereithält. Henry hat mich vorgewarnt, du würdest schon bald sehr früh nach einer Rückzugsmöglichkeit fragen.“ – und das stimmte auch und diese sollte ihm Kenneth nicht gewähren – „und nun ab nach vorne, die Gäste warten.“

Charlie widerspricht nicht. In Gedanken ist er dabei, jedes Übel, das sich auf ihn stürzen möchte, erst mal abzuwarten und dann hinzunehmen. So ist das Leben halt.

Sein schwarzes Hemd trieft vor Anstrengung, während er seinen Blick künstlich nach unten richtet, um den Neuankömmling nicht ansehen zu müssen. Diesen Blick wahrend geht er auf den Arzt zu, um die Bestellung aufzunehmen.

Auch der Chirurg ist zunächst merklich verwundert, dann beginnt er das Gespräch.

 

„Na sieh aber an – welch liebreizende Überraschung“, flüstert er leise, „kaum hätte ich gedacht, dich so schnell wiederzutreffen. Und dann hier – Es glänzt ja fast wie ein Schicksal. Glaubst du an Schicksale, lieber Junge? Ich glaube, dein Schicksal ist es, so lange in den Arsch gefickt zu werden, bis du nur noch Blut scheißen kannst. In diesem Sinne sende ich ein paar liebevolle Grüße von Ficken und Fotzen, den zwei Bullenfuckern, die mein Haus durchsucht haben – Ich nehme wohl an, du hast sie schon mal gesehen?“

„Möglich“, antwortet Charlie, blutlose Blässe.

„Neig dich zu mir herunter und sieh mich gefälligst an, du kleiner Ficker“, und der Chirurg zieht Charlie an dessen Schlips ein kleines bisschen über den Esstisch, „und bring mir ein Glas Rotwein, bevor du mir euer Tagesgericht servierst. Ich werd dich wohl im Auge behalten.“

 

Charlie bereitet ein Glas Rotwein vor. Er geht damit zum Chirurgen. Dann stellt er es auf den Tisch, neigt sich bedächtig darüber und spuckt einen dicken, auf dem Weg dorthin angehäuften Speichelsaft aus seinem Mund heraus hinein. Der Chirurg explodiert vor Wut. Eine andere Restaurant-Aushilfe eilt zum Geschehen, um eine weitere Tätlichkeit des Chirurgen abzuwehren. Es ist eine große Aufruhr im Restaurant. Der Chirurg verteidigt seine Königlichkeit als Kunde und sendet sogleich eine riesengroße Beschwerde an den Geschäftsführer aus. Kenneth packt Charlie beiseite und fängt an, zu raunzen.

„Was war das!? Der Maestro ist hier – er wird sich sicherlich über deine Erklärungen freuen. Los. Ab mit dir. Du Kind.“

In Wahrheit aber wird Kenneth dem Maestro erst sehr viel später von der Geschichte erzählen und sieht es in diesem Moment vor, den Jungen in die Küche zu schicken, um ein bisschen Sträflingsarbeit zu verrichten.

 

Nachdem er bis zum Schichtende seine Finger blutig poliert hat an der Desinfektionsreinigung tausender Besteckutensilien, tritt Charlie entkräftet aus der Küche heraus. Er verpisst sich aus der stinkenden Arbeitsanlage, Undank schwimmt in seinem Kopf. Draußen ist es schon dunkel und sein Nachhauseweg wird unterbrochen.

 

Als er an der nächstbesten beschissenen Gasse vorbeiziehen will, werfen sich zwei maskierte Männer, die Sturmhauben auf ihren Häuptern tragen, um ihre schmutzigen Visagen zu verbergen, auf den schutzlosen Charlie. Einer hält ihm den Mund zu, während der andere ein Messer zückt und es über Charlies Brust fahren lässt. Die Spitze der Klinge durchdringt die Baumwollfasern seines T-Shirts. Sie hinterlässt eine feine, rote Spur auf seiner Haut.

Charlie weiß, wer einer der Männer ist, er erkennt den Geruch des Chirurgen, den von Jared erkennt er nicht. Jared ist vor ein paar Tagen an einer krüppeligen Überdosis gestorben.

Der Mann, der jetzt hinter ihm steht, drängt ihn auf die Knie. Dann geht er selbst mit auf die Knie, hält ihn fest, bedrängt ihn arg und zwingt ihn, seinen Mund zu öffnen. Charlies Mund öffnet sich, weil der Mann hart auf seine Wangen presst, um die Kiefer auseinanderzudrücken. Der Chirurg, der vor den beiden steht, aufrecht, holt sein Teil aus der Hose und stößt es Charlie tief in den Rachen. Sobald der Chirurgenpimmel so hart ist, dass er tropische Urwälder damit roden könnte, zieht er Charlie wieder empor, drückt ihn von hinten gegen eine Wand und durchpflügt seinen Darmausgang heftig schmerzhaft ohne eine Art von Gleitcreme außer der körpereigenen Säfte. Nach seiner Saat genehmigt er dem anderen Mann auch einen schnellen, blutigen Charlie-Arschfick. Danach schlagen sie Charlies Kopf mit dem Gesicht so hart gegen die Ziegelsteinmauer, dass der Junge für die nächsten paar Minuten bewusstlos ist.

 

Von seinem Handyklingeln wird er wach. Er hat ein paar Nachrichten von Kenneth.

Wo bist du, wer hat dir erlaubt, dich einfach aus dem Staub zu machen, wir sind noch nicht fertig mit dir, der Maestro will dich sehen, komm ins Büro und so einen ganzen Gott verdammten Scheiß halt schickt er ihm auf das piepende Mobiltelefon.

Charlie zieht seine Hosen hoch und wandelt wie betrunken zurück.

Im Büro angekommen erstarren die Gesichter von Kenneth und dem Maestro, sie haben bis eben über einem ganzen Haufen Papierkram gebrütet.

„Was gibt’s denn“, fragt Charlie. Dann spuckt er ein Teil seines Schneidezahns auf den peniblen Teppichboden, zusammen mit einer dicken Lache blutigem Speichel.

Der Maestro tritt entsetzt vor und packt ihn am Kragen.

„Was zur Gott verdammten Hölle treibst du eigentlich, wenn du alleine bist“

„Was willst du damit erreichen, Henry?“, wendet Kenneth besorgt ein.

Der Maestro lässt sich aber nicht ins Wort fallen.

„Ich könnt jetzt ’ne Zigarette vertragen“, sagt Charlie.

Charlie soll nicht rauchen und schon gar nicht vor den Augen des Meisters.

 

Sie rufen Doctor Fredericks an. (Fredericks ist der betriebsinterne Arzt, der eigentlich eine riesige Praxis besitzt und damit eine komplette Etage im Wolkenkratzer-Building des Maestros ausfüllt. Er ist ein ziemlicher Schlaufuchs und kennt sich mit Pharmazie, Toxikologie, Bio-Chemie und Quacksalber genau so gut aus wie mit allen möglichen Therapien, die er seinen Patienten verschreibt, darunter medikamentöse, ernährungswissenschaftliche oder psychoanalytische. Mit seinem umfangreichen medizinischen Wissen könnte er auch gut als Forensiker arbeiten, in der Pathologie oder sonst irgend so einem kriminaltechnischen Scheiß, nur mag er nicht so gerne an Leichen herumdoktern. Fredericks schreibt manchmal Gutachten für die Staatsanwaltschaft, wenn es um Schäden irgendwelcher Opfer von Verbrechen geht, und tritt damit regelmäßig vor Gericht auf. Er schreibt auch welche für den Maestro, inoffiziell natürlich, damit der sich ein besseres Bild seiner geschändeten Klienten machen kann. Fredericks ist ein dunkelhäutiger, sehr begabter, sehr einfühlsamer, sehr beherrschter und sehr erfahrener Meister des Heilwesens…) Fredericks kommt vorbei, dann schließen sie die Praxis auf und reißen Charlie die Kleider vom Leib, um seine Verletzungen zu begutachten. Halbnackt steht er vor einem Maßeinteiler in Zentimeterangaben und lässt Doctor Fredericks ein paar Fotos schießen von den wenigen, leichten Schnittverletzungen auf seinem Körper, der blutverschmierten Nase und von seinen blutigen Shorts. Wie bei einer menstruierenden Vierzehnjährigen rinnt das Blut seine nackten Beine herab bis auf seine weißen Sportsocken.

Der Maestro weiß noch nicht, was er mit seinen impulsiven Regungen in Gemüt und Körper tun soll. Er will die Gewalttäter ausfindig machen.

„Wer hat dir das angetan?“

„Es waren zwei“, sagt der blutende Charlie, „Der Chirurg. Und noch jemand.“

 

Noch in der gleichen Nacht organisiert der Maestro eine Hinterlist. Er gelangt zu dem Chirurgen und in bekennender Zuneigung überzeugt er ihn von seinen voyeuristischen Absichten. Er bittet den Chirurgen, zusammen mit dessen Vergewaltigungspartner eine weitere Sexstraftat zu begehen.

Er wolle gegen eine hohe Bezahlung dabei zusehen, wie sie es mit dem jungen Charlie machen, so wie sie es am liebsten tun, schmutzig, exzessiv gewaltvoll, er könne den Jungen nicht ausstehen und will ihn leiden sehen.

 

Am nächsten Tag bittet der Maestro Charlie um eine Rekonstruktion der Tat, aber Charlie schafft es nicht, über seine Scham zu sprechen. Der Maestro entführt den Jungen nach Eintritt der Dunkelheit zu der Gasse, in der er überfallen worden ist.

Noch bevor Charlie sich fragen kann, woher der Maestro von dem genauen Tatort erfahren hat, sieht er in derselben Gasse zwei Männer mit Sturmhauben auf dem Gesicht.

 

„Charlie, sind das die zwei Männer, die dich gestern überfallen haben?“

„Ich weiß nicht, Sir. Sie haben ja Sturmhauben auf“, antwortet Charlie.

„Und erkennst du sie vielleicht an dem Messer, das sie bei sich führen?“ – Ein Mann zückt ein großes, gewaltiges Messer – „oder kommt dir irgendetwas anderes bekannt vor?“

„Ich weiß nicht, Sir.“

„Nun, wenn du nicht darüber sprechen willst, was geschehen ist, dann hilft dir vielleicht eine lebensechte Darstellung der Tat ein bisschen auf die Sprünge, was meinst du.“

 

Die zwei Männer erkennen ihren Einsatz und nähern sich dem ungläubigen Kind.

Sie ziehen es genau so wie am Vortag mit Arglist in den Hinterhalt hinein. Der Maestro sieht dabei zu, wie sie es bestrafen. Ihn widert der Anblick ebenso an, wie er ihn sexuell erregt, ohne dass er eine Kontrolle darüber hätte.

Charlie weint.

Kurz bevor die Männer Charlies Jeans herunterreißen wollen, greift der Maestro mit Worten ein.

„Genug. Verzieht euch“.

Die Männer lachen, aber sie gehorchen. Das soll ja wohl ein Witz sein, sagt der Chirurg.

Der Unbekannte schweigt.

 

Sie in dem Glauben belassend, die Bezahlung zu erhalten, gelingt es dem Maestro, die beiden etwas tiefer in die Gasse hineinzudrängen. Unmittelbar stürzen drei seiner Söldner mit ins Geschehen, zusammen prügeln sie den Chirurgen windelweich, während der Unbekannte entwischen kann dank seines großen Messers. Weil der Chirurg nicht damit rausrückt, um wen es sich bei dem anderen Vergewaltiger handelt, schieben sie dem verbliebenen Arzt einen Riesendildo in den Mund, der mit Rasierklingen bestückt ist, und einen in den After, kleben Panzertape drumherum, um die Körperöffnungen zu verschließen, damit die Werkzeuge nicht wieder herausrutschen können. Mit einem Cuttermesser schreibt der Maestro R A P I S T auf seine Stirn. Sie fesseln das Opfer und binden es um einen Laternenpfahl spät des Nachts direkt vor dem Polizeipräsidium fest.

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Murkse part what

Aus meinem dritten Buch Murkse. Wehe, das klaut einer. Dann gibt’s.


KNIETIEF

Ich erzähle euch eine Geschichte. Also. Und zwar habe ich mir überlegt, einmal zum Arzt zu gehen, also nicht, dass ich dies wirklich tun würde, zum Arzt gehen. Man sollte einfach nicht zum Arzt gehen, glaube ich, solange einem keine Sabber- oder Speichelfäden irgendwie aus dem Mund hängen vor lauter Verrecken, also hierzulande jedenfalls. Ärzte haben immer so etwas Menschen Herabwürdigendes an sich, als haben sie einmal alle Tierärzte werden wollen, in ihrem ursprünglichen Begehren halt und so weiter. Und wenn sie dann vor einem sitzen, vor einem Patienten also, der schon wörtlich lediglich auf Geduldigkeit reduziert wird in seinem mickrigen Wesen, und nun hören, wie Worte aus dessen Mund quellen wie hoffnungsvolle Blubberblasen, die sie, die Gottlosen in Weiß, herzlos mit ihren knochigen, garstigen Spitzfingern zerplatzen, dann kann man ihnen ganz genau ansehen, wie sie immer noch sich fragen, sie fragen sich nämlich, seit wann der Affe, der vor ihm sitzt, eigentlich sprechen kann.

So, und weil dies so ist, habe ich mir überlegt, einmal zum Arzt zu gehen, einfach darüber nachgedacht quasi. So und dann sitze ich beim Arzt, erst ganz lange und drehe Däumchen im Wartesaal und erstarre vor Unverständnis über geschlossene Fenster und zwanzig Millionen Viren und Keime und Bazillen um mich herum und über unfreundliche Tresentussen, die noch nicht richtig Stuhlgang hatten am Morgen. Und bald schon sitze ich dann auch vor dem Arzt sogar, nach einem Händedruck, jawohl, einem passablen Gruß und nachdem ich mein Gesäß ganz seicht und vorsichtig auf seinen Verhörstuhl geschmust habe, auf dem schon tausend andere Ärsche gesessen haben.

Dann erzähle ich ihm, dass ich verhältnismäßig meiner Ansicht nach wenig und ganz schlecht esse in den letzten Zeiten so, was ja schon Monate sind seit dem letzten Besuch logischerweise, da ich ja selten, fast nie zum Arzt gehe, und dass ich ja aber enorm viel scheißen müsste am Tag, mindestens dreimal. Ja und dann erhebt sich der alte Wurm in einer meiner endlosen zahllosen Hirnwindungen und lacht ein bisschen und sagt: Ja, aber seien Sie doch froh, mein Bester, andere fressen sich rund um den Tag zu, bis zum Umfallen quasi, und haben trotz allem Verstopfung!

So wie die Assistenten-Else am Tresen, denke ich nur, und stelle mir vor, wie sie sich auf irgendeiner Toilette einen abknüppelt, um noch viel Schlimmeres abzuwenden, eine Blutvergiftung zum Beispiel, oder dass ihr die Schmiere oben wieder herauskommt. Da kann sie wohl ja nichts für unbedingt und fast kann sie einem sogar leidtun. Ich gebe mir wirklich Mühe, ausgezeichnete sogar ernsthaft, aber ich schaffe es einfach nicht, beschissene Menschen mit Gold zu übertünchen, das liegt in meiner Natur so wie die Scheiße auf ihren Häuptern.

EINE KURZE AUSSCHWEIFUNG

Da fällt mir ein, dass man Gold sogar essen kann, pikfein und blättrig, habe ich mal gehört, in edlen Restaurants, auf dem Nachtisch serviert, oder so ähnlich.

Was sie einem dann sagen können, Ihre flüssigen Exkremente seien goldwert, Sie, Fräulein Wulst beispielsweise, die seit Tagen versucht, mittels Abfuhrsubstanzen an Schwabbelmasse zu verlieren, Sie da, mit Ihren vielen Ketten und Kugeln um den Gelenken herum (sind das Perlen? Oh ja, bei Gott, verzeih, das sind ja Perlen), die im Übrigen von sämtlichen Speckröllchen bereits bis in die tiefsten, unergründlichsten Abgründe hinein verschlungen worden sind, und das viel zu betonte Wangenrouge, diese Albernheit, eine Lächerlichkeit für sich, nein.

Jedenfalls, Ihre Scheiße ist nicht goldwert, mein liebes Fräulein Fettgeschwafel, ganz und gar, Ihre Scheiße ist einen Scheißwert, wenn Sie’s genau wissen wollen, genau wie die ganze andere Scheiße von diesen ganzen anderen unzähligen, zum Scheißen verurteilten Scheißhaufen hier in diesem beschissenen Scheißrestaurant es ebenso ist.

Die Wulst, die mit dem schlechten Wangenrouge und der ordentlichen Leibesfülle, verzieht daraufhin ein hässliches Gesicht, nachdem ich es ihr gesagt habe. Es wird ganz rot, um das Rouge herum, ihre Falten werden knöterig, ihre wulstigen Lippen spannen ganz straff und bedrohlich, und salziges, schmandhaltiges Wulstwasser spritzt ihr aus den Augen heraus, um den Brand zu löschen, der auf ihrem Knitterkopf entfacht. Ein heftiger, wütender Brand. Aber die Tränen aus ihrem Gesicht schaffen es nicht, den Brand zu löschen, und sie geht vollkommen in Flammen auf, wie ein dicker, fetter, rosafarbener Phönix (mit homosexuellen Neigungen), aus dessen Asche ein Sonnenbrillen tragender Pavian mit einer schwulen Clutch und einem Fascinator als Hut erwächst, direkt vor meinen blitzenden Augen.

Sein Name ist Moses.

Der Affe schüttelt sich wie in einem Hula-Tanz die Asche vom Körper, und sucht dann ganz wild in seiner Tasche, er steckt sich eine Eve zwischen die Zähne, diese langen, gebrechlichen Dinger (nicht die Zähne), er sieht sich um, tanzt und springt herum, bis er hinter einer Theke zum Stehen kommt, an der der Kellner heimlich versucht, die letzten Reste des Edel-Desserts oral zu verinnerlichen, die Frau Wulst ihm aufgrund eines frühzeitigen Verlassens übrig gelassen hat (sie galoppiert soeben auf rasanten Feuerwalzen ins mittelalterliche Europa hinüber, um dort Städte und Magier zu verbrennen).

„Hat hier irgendein Schwanzlutscher Feuer?“, fragt der Pavian wild in die Runde, mit einer so tiefen, bässernen Stimme, die so tief und bässern ist, dass der gesamte Saal zu vibrieren beginnt, ein durchdringendes Wackeln, bis in jede Brust und jeden Schoß hinein, egal ob männlich oder weiblich, Götzen wundersamer Schenkelfreuden, wie einer wie Wolle Koeppen es wohl sagen könnte vielleicht, ganz grauenhafte Literatur, und ein Triefen, das jeden Glut- und Feuerfunken jämmerlich erschlagen würde. Der Kellner meldet sich zu Wort: Oh, da sind wir ja aber wohl ein bisschen spät dran, was, Meister, die Geburtsstätte, das Feuer, dem Sie soeben entfleucht, das ist ja just passé.

Belassen Sie es dabei, Rauchen ist sowieso tödlich.

Moses aber sieht den Kellner entsetzt an. Er kurbelt, wie es an Spieluhren erinnert, ganz aufgeregt und pikiert seine Kiefer auseinander (dabei verliert er die Eve aus seinem Maul), er spuckt dem Kellner angewidert ins Gesicht und lässt anstelle einer süßen Kindermelodie die krude Frage ertönen, seit wann Arschlöcher denn sprechen können.