David Lynch

So. Ich habe mich mal ein bisschen mit David Lynch und seinen Filmen beschäftigt. Das liegt daran, dass mich mein Ex-Freund auf den Typen gebracht hat, weil er so ein ziemlicher Blue-Velvet-Fucker war. Der Film ist ja auch gut, als einer der wenigen von David Lynch, weil: der Typ macht in meinen Augen keine besonders pädagogisch wertvollen Filme. Das Schlimme daran ist die meisterhafte Kunst, mit der er die utopischsten Fantasien oder sagen wir lieber distopische subtil in die Köpfe seiner Zuschauer einfädelt, wenn der Zuschauer dabei zu blöde ist, seine Kunst zu hinterfragen. Ich kann ja gar nicht abstreiten, dass seine Filme einen künstlerischen Wert haben und so, aber ich finde sie inhaltlich nicht besonders angemessen.

Aus dem nicht verwunderlichen Grunde: die Frauen kommen am Ende noch kürzer als in irgendwelchen anderen Filmen von früher – oder heute – weil sich Lynch definitiv das Privileg zu eigen macht, die triebhaftesten und mitunter auch sadistischen Gelüste männlicher Zuschauer unter dem Aspekt skurrilster absonderlicher Filmtechniken zu befriedigen und sie dabei mit dem Stempel Kunst zu versehen und somit keine bedrohlichen Ablehnungen durch die Gesellschaft zu riskieren. Genau so wie Quentin Tarantino das macht, nur dass dessen Schwerpunkt mehr auf der Gewalt und dem Verbrechen liegt. Bei Lynch liegt das Verbrechen eher bedächtig im Hintergrund und wird oft sehr mühevoll bis zum Schluss enträtselt. Nun ja.

Lynchs Schwerpunkt wie ich finde liegt oft auf der Anwendung weiblicher Figuren als reine Sexualobjekte, die man vor allem missbrauchen oder vergewaltigen kann. Das macht auch sein toller Männergeschmack nicht wett – Cage, MacLachlan oder Pullman sehen alle ziemlich heiß aus zu ihrer Zeit – wenn Laura Dern zwar in der einen Rolle in Blue Velvet das unschuldige Vorstadtmädchen und die süße Polizistentochter in einem spielt, aber in Wild at heart aufgemöbelt wird wie eine Nutte von der nächsten Straßenecke, was sich mit dem Lebenslauf der dargestellten Rolle noch nicht mal groß vereinbaren lässt und einfach nur lächerlich wirkt.

Ich kenne noch nicht mal viele Filme von Lynch, also mindestens fünf, aber soweit ist mir das einigermaßen bewusst geworden.

Deshalb mag ich den Typen nicht.

Und Tarantino finde ich auch scheiße.

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2 Gedanken zu „David Lynch

  1. An dieser Stelle muss ich doch eine Lanze für Lynch brechen. Sicherlich ist es möglich, Lynchs Filme dahin gehend zu deuten, dass Frauen bei ihm vorallem sexualisiert und zum Objekt gemacht werden, allerdings erscheint mir dies etwas oberflächig betrachtet. Für problematisch halte ich vorallem die von dir unterstellte misogyne Intention und die Verwendung einer komplexen Erzählstruktur zur Verschleierung dieser. Gerade Lost Highway, auf den du dich hier ja auch beziehst, fällt mir hier als ein Gegenbeispiel ein. Auf den ersten Blick werden Frauen hier als Sexobjekte dargestellt und der gehörnte Ehemann ermordet die betrügende Frau – aber sind das objekte Tatsachen, die der Film schildert? Abgesehen von drei kurzen Sequenzen ist der Film aus der Perspektive von Fred geschildert und Fred hat nicht nur mit seiner Potenz zu kämpfen, sondern entwickelt auch eine Psychose. Er tötet seine Frau (wobei nie deutlich wird, ob diese ihn wirklich betrogen hat oder er dies nur fantasiert) und wird verurteilt. Der komplette zweite Teil des Films erscheint mir als die Phantasie eines dissoziierenden Fred, der seine Tat verdrängt. Hier ist er jung, attraktiv und potent und bekommt die tolle Frau ab, wodurch er über Dick (!) triumphiert. Aber die Realität bricht hier zunehmend herein (Geheimnis der Eltern – zunehmende psychotische Elemente – Vermischung von Renée und Alice) bis seine Traumidentität schließlich zerbricht, er wieder zu Fred wird und der Film mit der Flucht vor dem Unvermeidlichen und seiner Hinrichtung endet. Der Film liest sich für mich daher eher als eine sehr kritische Auseinandersetzung mit der männlichen Sexualität (und einer Fixierung auf dieser) und Eifersucht. Zweifelsohne dominieren Motive männlicher sexueller Dominanz, die für Freds Konflikt charakteristisch sind, aber diese werden nicht unreflektiert hingestellt oder sogar befürwortet. Vielmehr wird die Höllenfahrt eines Mannes inszeniert, der vor Selbstzweifel und (möglicherweise imaginierter) Eifersucht einen Mord begeht und hierfür zur Rechenschaft gezogen wird.
    Kennst du Mulholland Drive? In diesem Film wird ein sehr ähnlicher Plot inszeniert, allerdings aus der Sicht einer Frau, mit einer anderen Erzählstruktur und anderen Motiven.

    Das Problem, das hier auftritt, markiert auch die schmale Trennlinie etwa zwischen Kriegs- und Antikriegsfilmen. Wird ein bestimmter Stoff unreflektiert umgesetzt oder gar glorifiziert oder wird er hinterfragt und in Frage gestellt? Letzteres scheint mir bei Lynch klar gegeben, auch wenn manche Filme da nicht so deutlich zu lesen. Blue Velvet hat in meinen Augen eine ähnliche thematische Ausrichtung. Diese Thema der männlichen Selbstzweifel zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durch Lynchs Werk (Seeßlen nennt das ziemlich pathetisch den „nicht zuende geborenen Menschen“).
    Dass Lynch seine recht komplexe Narration hier aber nur zur Verschleierung oder Absicherung verwendet, kann ich so garnicht unterschreiben. Lynch war nie ein Filmemacher, der für die breite Masse, großes Publikum oder maximalen Umsatz inszeniert hat und es ist ein Charakteristikum seines Werks, dass er einfache Geschichten komplex erzählt und mit einer Vielzahl von Symbolen, Stoffen und Motiven anreichert und dabei die Grenzen des Erzählens auslotet (Rabbits und Inland Empire wären hie gute Beispiele, welche inhaltlich ganz andere Schwerpunkte setzen).

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    • Wow. Über so eine hingebungsvolle Resonanz kann ich, nachdem ich das Wort misogyn recherchiert hab, tatsächlich nur Freude empfinden. Ich hab mal gehört, als Blogger sollte man das, ab und zu, nämlich eine Antwort zu Kommentaren verfassen. Darum tue ich das. Auch wenn der Inhalt kaum von Belang sein wird. Mich beeindrucken deine Kenntnisse über Lynch, aber wahrscheinlich zählt er wohl zu deinen Lieblingsregisseuren oder du bist ein unglaublich routinierter Kritiker. Mullholland Drive habe ich aus dem Grundsatz her dann doch nicht über mein feministisches Herz gebracht, zu gucken, weil es da auch nur um Lesben gehen soll. Lesben widern mich noch mehr an zum Zwecke der männlichen Belustigung als eine Frau das allein schon tun würde. Ja, so ist dies. Aber ich respektiere deine Haltung natürlich und – vermutlich – ja, kann ich auch ein bisschen von mir behaupten, mich sehr viel oberflächlicher mit Filmen zu beschäftigen nur als ich das gerne würde. Das liegt – tatsächlich – auch an meiner fehlenden Bildung diesbezüglich. Danke, Chris, für die aufrichtige Anteilnahme, und hinter meinen Worten steckt diesmal kein Zynismus oder was.

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