mal was anderes

ich finde es ja gut, wenn manche menschen sich so tatkräftig für tiere einsetzen und auch versuchen, was gegen ihre peiniger zu unternehmen und so weiter, aber irgendwie kann ich das alles nicht ganz ernst nehmen, wenn in der gleichen welt, in der wir leben, noch nicht mals alle kinder ein würdevolles leben leben können.

save the children first, man.

hier eine kleine geschichte

aus dem leben eines jungen mädchens (es spielt eigentlich gar keine rolle, wie das mädchen heißt oder aussieht, nennen wir es einfach…

mädchen). okay.

also dieses mädchen lebte einmal in einer wohngemeinschaft für junge menschen, die alle noch nicht so wirklich was mit dem ernst des lebens anfangen konnten. und so weiter. aber die meisten dort waren eher wegen schlechter erziehung, schlimmen eltern, schlimmen erfahrungen gemäß drogenkonsums und straftaten und gewaltanwendung. nur das mädchen nicht, das war psychisch krank.
egal, nicht so wichtig.
in der gemeinschaft war noch ein anderes mädchen, sagen wir michelle, welches das schlimmste von allen war. und trotzdem kam das mädchen, um das es hier geht, mit ihr zurecht einigermaßen. sie tat ihr nie böses, sie war sogar ziemlich nett zu ihr, feierte mit ihr und setzte sich auch ein für sie, wann immer das vertretbar war.

heute lebt das mädchen, um das es hier geht (also nicht michelle), längst nicht mehr in der gemeinschaft nach jeder menge kurioser erfahrungen und klinikaufenthalten. wo sie jetzt lebt, ist egal, nur dass sie lebt halt.

seit sie mit ghetto-kindern zusammen arbeitet, seit ungefähr drei wochen, fühlt sie sich dummerweise und mehr ungewollt auf so eine art aufgenommen in die gemeinschaft verdammt kaputter menschen, die keine zukunft haben, die definitiv keine zukunft haben.

eigentlich dachte sie, den scheiß hinter sich zu haben, doch seit heute weiß sie, dass sicherlich noch ganz anderer scheiß auf sie wartet, dank michelle, die ihr hin und wieder immer noch über den weg läuft.

heute grabscht irgend so ein scheiß pole an ihren arsch, bevor genau der gleiche scheiß pole versucht, ihr das portemonnaie aus der tasche zu ziehen. allein dafür könnte man ihm seinen scheiß kopf wegballern ohne schlechtes gewissen.

und dann fährt das mädchen mit rad nach hause und sieht vor ihr, dass diese dumme michelle in begleitung eines jungen spazieren geht, denkt sich nichts, radelt weiter, hört nur kurz „ey, [name]“, ignoriert den scheiß. warum auch immer.
dann die ampel, an der zig leute um sie herum stehen, zu denen sich fünf sekunden später michelle und ihre begleitung gesellen.
das mädchen grinst die zwei an, sicherlich blöd, aber wie auch sonst, wenn man sich eigentlich kennt und doch lieber nichts miteinander zu tun haben will. sie hört bloß getuschel, irgendwas mit fickfresse oder so (die begleitung scheint nicht so sonderlich gut sprechen zu können), und „die sieht aus, als würde sie [name] heißen oder so was.

irgendwann wird das mädchen neugierig, aber immer noch locker und fragt laut und selbstbewusst: „habt ihr irgendwas zu sagen?“
nein, als ob
„war ja klar“, sagt das mädchen wieder und dann fragt der dumme junge: „mit wem redest du eigentlich, fette missgeburt, sieh zu, dass du weiter fährst.“
das mädchen antwortet: „yo, bin dabei“, als die ampel grün wird. michelle grinst wie ein dummes huhn.
das mädchen verliert aber nicht an selbstbewusstsein und denkt während des restlichen heimwegs darüber nach, dass sie vor einem jahr, wenn sie ein messer dabei gehabt hätte, darum hätte kämpfen müssen, es in dieser situation nicht zu gebrauchen.

sie kann sich aber immer noch gut mit dem gedanken anfreunden, dass irgendjemand käme und die andere fette missgeburt abstechen würde.

sie überspielt das ganze, als sie im trauten heim ankommt, ihre mutter im garten, der bruder auch. im manierlichen zuhause, wo alles super ist. super.
mit falschem lachen und falscher guter laune hüpft sie gleich in den keller, um sich ein herforder runterzuwürgen.

dann geht sie an den computer, nachdem sie ungefähr die zwanzigste kippe geraucht hat, um traumatisiert irgendso eine kacke auf ihren blog zu posten.